Lyrikzeitung & Poetry News

10. Februar 2010

54. Orhan Veli

Abgelegt unter: Türkei — Schlagwörter:, , — lyrikzeitung @ 04:59

Atatürks Republik brachte eine wahre Sprachenvielfalt. Das lateinische Alphabet ersetzte das arabische, das alte Ottomanische wurde von der türkischen Sprache verdrängt, einfacher und jedem verständlich. Orhan Veli wird sich diese neue Epoche wie besessen aneignen, sein “Dilettantenleben” begann “mit 29 Jahren”. Dilettant in dem Sinn wie vielleicht Rimbaud ein Dilettant war, ein Dilettant, der die Prosodie zurückweist, die ottomanische Manier des Divan ignoriert, schwülstig und traditionell, um auf die Straße zu gehen, seine eigene Sprache zu benutzen, mit aller Leichtigkeit eine Moderne zu leben, die es ihm möglich macht, ein Dichter des Volkes zu werden… / Julia Moldoveanu, Regards n°67, décembre 2009

Orhan Veli, Va jusqu’où tu pourras, traduction et présentation Elif Deniz et François Graveline, éd. Bleu autour, coll. « Poètes, vos papiers », 15 euros

53. Hoffnungspoesie

Abgelegt unter: Deutsch, Deutschland, Schweiz, Österreich — Schlagwörter:, , , , , — lyrikzeitung @ 04:08

Drei Monate vor dem 2. Ökumenischen Kirchentag in München ist eine Lyrikanthologie zu dem Großereignis erschienen. Der Band mit dem Titel «Die Hoffnung fährt schwarz» vereint 74 Gedichte von Autoren aus drei Generationen, darunter Matthias Politycki, Gerhard Rühm, Said und Erika Burkart. Leitgedanke der Gedichte ist das Motto des Ökumenischen Kirchentags (ÖKT), «Damit ihr Hoffnung habt». Der Dichter Anton G. Leitner, der auch Herausgeber der Zeitschrift «Das Gedicht» ist, hatte zeitgenössische Lyriker aus dem gesamten deutschen Sprachraum aufgerufen, neue «Hoffnungspoesie» einzureichen. /news-adhoc.com

9. Februar 2010

52. Europäischer Übersetzerpreis für Hanns Grössel

Den mit 15.000 Euro dotierten Europäischen Übersetzerpreis bekommt in diesem Jahr Hanns Grössel. Die Auszeichnung der Stadt Offenburg (Baden) und der Hubert Burda Stiftung würdige „seine ausgesprochene Sensibilität bei seinen Übersetzungen dänischer Lyrik, voran der Werke von Inger Christensen, der 2009 verstorbenen bedeutendsten Lyrikerin Dänemarks“, hieß es am Montag in einer Pressemitteilung der Stadt Offenburg. Der 1932 in Leipzig geborene Grössel sei 1976 bereits von der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung für sein außergewöhnliches übersetzerisches Talent ausgezeichnet worden. 1993 erhielt er den Petrarca-Übersetzerpreis vor allem für seine Übertragungen der Gedichte von Tomas Tranströmer und Inger Christensen, 1995 zusammen mit Inger Christensen auch den Preis für Europäische Poesie.

Der Förderpreis in Höhe von 5000 Euro geht an Peter Urban-Halle. Er habe unter anderem Werke zeitgenössischer dänischer Autoren übersetzt.

Der Europäische Übersetzerpreis 2010 wird am 25. April in Offenburg überreicht.

51. Revolution und Diebstahl

Abgelegt unter: Deutsch, Deutschland — Schlagwörter:, — lyrikzeitung @ 17:58

Die Welt fragt die “17jährige Starautorin Helene Hegemann”, warum sie denn keine Revolution darstelle. Die wiederum weiß, daß auch andere geklaut haben: Brecht Goethe Shakespeare.

50. Mit Hikmet im Knast

Abgelegt unter: Türkei — Schlagwörter:, , , , — lyrikzeitung @ 10:33

Der türkische Schriftsteller Orhan Kemal wurde als junger Mann während seines Militärdienstes wegen kommunistischer Umtriebe verhaftet. Die Beweislast: Er hatte ein Gedicht seinem Helden Nazım Hikmet gewidmet. Außerdem besaß er ein Buch des sowjetischen Schriftstellers Maxim Gorki und ein paar Zeitungsausschnitte über russische Autoren und Marxismus. Schließlich sagten andere Soldaten aus, daß er Hikmet bewundere und gesagt habe, seine Bücher gehörten in die Militärbibliothek. Das war Ende der 30er Jahre, er blieb im Gefängnis bis September 1943.

Ironie der Geschichte: das Urteil, das ihn einlochte, weil er Hikmet bewunderte, brachte ihn direkt zu ihm. Er kam in das gleiche Gefängnis, in dem Hikmet einsaß. Die beiden wurden Freunde fürs Leben. Kemal sagte: “Er ist mein wahrer Lehrer. Er brachte mir bei, die Dinge im Rahmen einer bestimmten Methode anzusehen. Man ist immer von der einen umgebenden Welt betroffen. Wichtig ist, daß man weiß, wie man sie ansehen muß. Nur wenn man das weiß, kann man das sehen, was man sehen muß. Das habe ich von Nazım gelernt. / Sundays Zaman

“In Jail with Nazım Hikmet,” by Orhan Kemal and Bengisu Rona, published by Anatolia Publishing, TL 15 in paperback, ISBN: 978-075927586-0

Nazım Hikmet saß 13 Jahre in Haft und ging dann ins Exil. 1959 wurde ihm die Staatsbürgerschaft aberkannt. Er starb 1963 in Moskau. Hikmet war “türkischer Nationaldichter im Untergrund”, sagt der türkisch-deutsche Schriftsteller Zafer Şenocak. In den 70er Jahren wurden seine Werke in der Türkei veröffentlicht. Vor kurzem teilte die türkische Regierung mit, daß sie ihm symbolisch die Staatsbürgerschaft wiedergeben wolle.

Gespräch mit Şenocak über Hikmet, DLF

49. Oratorien

Abgelegt unter: Türkei — Schlagwörter:, , — lyrikzeitung @ 03:43

Meine beiden Oratorien haben ja die Geschichten von Nazim Hikmet und Metin Altiok erzählt. Das sind großartige Dichter, die beide aus politischen Gründen größte Schwierigkeiten in der Türkei gehabt haben. Nazim musste das Land verlassen und Altiok wurde von Islamisten ermordet. / Der türkische Musiker Fazil Say, Südkurier

48. Brief an die Kanzlerin

Abgelegt unter: China, Deutschland — Schlagwörter:, — lyrikzeitung @ 02:04

Bereits zur Buchmesse durfte Liao Yiwu nicht ausreisen, jetzt wird ihm der Besuch der “lit.Cologne” in Köln verwehrt. Der Frankfurter Fischer Verlag hat den Offenen Brief des chinesischen Schriftstellers an Angela Merkel weitergeleitet.

Liao Yiwu appelliert darin an die Bundeskanzlerin, ihren Einfluss geltend zu machen. “Lassen Sie es nicht zu, dass die Literatur erneut von der Macht gedemütigt wird”, schreibt Liao in einem am Montag bekanntgewordenen
Offenen Brief. “Sie sind deutsche Kanzlerin und Sie wissen aus eigener Erfahrung, was Diktatur bedeutet”, schreibt der 50-jährige. …

Liao steht auf der schwarzen Liste, weil er 1989 nach der blutigen Niederschlagung der Demokratiebewegung in China das Gedicht “Massaker” publiziert hatte. Dafür saß der Dissident vier Jahre lang in Haft.  / hr 8.2.

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8. Februar 2010

47. Leere Fläche

Abgelegt unter: Deutsch, Deutschland — Schlagwörter:, — lyrikzeitung @ 15:03

Eßlingen ehrt Kurt Leonhard, und die Eßlinger Zeitung bleibt am Ball. Hier zum Dritten:

An Beispielen aus der Lyrik Leonhards wies Ringleben nach, wie der erklärte Agnostiker die Spur des göttlichen Logos – der Sinnhaftigkeit des platonischen Kosmos – im Werden der Sprache gewahrt. Nicht weniger als die Kunst sieht sich die Lyrik der heilig-leeren Fläche konfrontiert, die sie im Nachbuchstabieren der (Sprach-)Schöpfung mit deren göttlichem Geheimnis füllt.

46. Nach dem Schwabenkrieg

Abgelegt unter: Deutsch, Deutschland, Schweiz — Schlagwörter:, , , , , — lyrikzeitung @ 11:46

Nach dem Schwabenkrieg hat sich die Schweiz von Deutschland losgesagt und eine eigene Identität entwickelt, zum Beispiel in Bezug auf die Sprache. Dennoch: Dass in Schweizer Grossunternehmen immer mehr Deutsche tätig sind, die schneller reden und wortgewandter sind als wir, verunsichert viele Schweizer. Nein, ich habe nichts gegen deutsche Einwanderer. Aber es stellt sich wie oftmals die Frage nach dem gesunden Mass. …

Goethe und Schiller hätten aber nicht mit ihrem Gewissen vereinbaren können, was der deutsche Staat jetzt tut. / SVP-Nationalrat Hans Fehr, Zürcher Unterländer 8.2.

Literatur:

Gustav Schwab: Der Bodensee nebst dem Rheinthale von St. Luziensteig bis Rheinegg: Handbuch für Reisende und Freunde der Natur, Geschichte und Poesie. Cotta 1827 (Pdf zum freien Download)

«So klären wir die Deutschen auf» heißt die Überschrift jenes Schweizer Populisten. Nagut, wir klären zurück. Goethe brach bekanntlich überstürzt von Frankfurt auf, angeblich um nach Italien zu reisen. Er kam aber nur bis Zürich. Wozu wohl?! Worauf wohl spielt diese Passage aus seinem Zürcherseegedicht an: “Und im See bespiegelt / sich die reifende Frucht”?! Warum kommt unmittelbar davor zweimal das Wort “gold” vor?!

Lassen wir ihnen “ihre” Klassiker. Kontern wir mit dem deutschen Klassiker Bertolt Brecht: “Was ist der Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?”

45. Max Bense 100

Abgelegt unter: Deutsch, Deutschland — Schlagwörter:, , — lyrikzeitung @ 02:54

Max Bense, der Stuttgarter Philosoph und Wissenschaftstheoretiker, dessen Geburtstag sich am 7. Februar zum hundertsten Male jährt, galt zu Lebzeiten als das Enfant terrible seiner Zeit. Nach einer offenen Gesellschaft strebend, bekämpfte er die »metaphysische Gemütlichkeit« der Deutschen.

Mit Elisabeth Walther gründete er 1955 die Zeitschrift augenblick, in der er dem deutschen Nivellement das »Zeichen eines neuen Seins« entgegensetzte. Seine Schlagworte sind Polemik und Opposition, sein Leitbegriff lautete »Experiment«, der sich rasch auch als Richtschnur einer neuen Dichtkunst erwies. / Ludwig Harig, Die Zeit

Max Bense: Ausgewählte Schriften
Herausgegeben von Elisabeth Walther
Band 1: Philosophie, eingeleitet von Elisabeth Walther, XL + 419 S.
Band 2: Philosophie der Mathematik, Naturwissenschaft und Technik, mit einem Vorwort von Elisabeth Emter, XXIV + 486 S.
Band 3: Ästhetik und Texttheorie, mit einem Vorwort von Helmut Kreuzer, XXX + 469 S.
Band 4: Poetische Texte, mit einem Vorwort von Friederike Roth
J. B. Metzler Verlag, Stuttgart

Mehr: Ich dichte, also denke ich

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